Wachstumsschmerzen auf der Blockchain

Blockchain: Eine Lösung auf der Suche nach einem Problem? Oder gar keine Lösung, sondern ein bloß Marketing-Gag?

Von beidem ein bisschen – das vermutet Analyst und Investor Lance Ng in einem seiner neuesten Beiträge – Blockchain Is Broken – auf der Blogging-Plattform Medium.

Die drei zentralen Probleme der Blockchain-Technologie (siehe dazu auch hier im Blog) seien immer noch weitgehend ungelöst:

  • Benutzbarkeit und Nutzerfreundlichkeit
  • Effizienz und Skalierbarkeit

Blockchain-Technologie sei in vielen Zusammenhängen ein reines Marketing-Argument. In vielen Industrien werde dieses nun genutzt, um Organisationen, die mit überholten IT-Systemen arbeiteten und einen großen Digitalisierungsrückstand hätten (erkennt in dieser Beschreibung jemand das deutsche Gesundheitswesen wieder?), aktuellere Systeme zu verkaufen. Auch Investoren fänden Blockchain-basierte Systeme zur Zeit „sexier“ als andere Technologien.

Die letzte Feststellung muss allerdings schon wieder relativiert werden – so leicht wie 2017 ist es bei weitem nicht mehr, Geld für neue Projekte in sogenannten ICOs einzusammeln. Diese wenig regulierten Crowdinvesting-Kampagnen waren schon Ende letzten Jahres in Verruf geraten, weil eine Reihe betrügerischer Unternehmer nach Abschluss des Crowdfundings mit dem Geld von der Bildfläche verschwunden waren. Das machte auch seriösen Projekten das Einwerben von Investments schwerer.

So auch im Gesundheitswesen: Während beispielsweise Grapevine noch von Juli bis August 2018 ein erfolgreiches ICO hinlegte, entschied Iryo sich im Oktober 2018 dazu, sein ICO abzusagen und stattdessen einen privaten Pre-Sale abzuhalten.

Schließlich sahen Fabian und ich die Schwierigkeiten im Blockchain-Geschäft auch aus erster Hand: Medical Ledger, das Healthcare-Startup, für das wir beratend tätig waren, entschloss sich nach technischen Schwierigkeiten dazu, auch seinen privaten Pre-Sale auf unbestimmte Zeit nach hinten zu verlegen.

Heißt das, Blockchain ist schon wieder vorbei?

Um das einzuschätzen, hilft ein Blick auf den Gartner Hype Cycle:

Gartner Hype Cycle - Blockchain

Blockchain befinde sich demnach gerade auf dem Abstieg in das „Tal der Enttäuschung“ – das Produktivitätsplateau ist erst fern am Horizont sichtbar, auch wenn erste Anwendungen sich schon abzeichnen.

Wie genau werden diese aussehen?

Ng sagt dazu:

Blockchain will never be as pervasive to the average person’s life as the internet or even the mobile phone has been. It will mostly work behind the scenes to drive some commonly used legal, fintech, industrial or logistics solutions.

Und trotz allem endet er seinen Beitrag mit den Worten:

I believe blockchain technology is here to stay and will find its place in history, once all the practical issues are ironed out.

Die Gartner-Analysten schätzen, dass Blockchain bis zum Produktivitätsniveau noch 5 bis 10 Jahre vor sich hat. Für Anwendungen im deutschen Gesundheitswesen wird das bestimmt nicht zu spät sein – dort drehen sich die Räder der Digitalisierung ja immer schon gemächlich.

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