Es muss nicht alles public sein: Hyperledger im Gesundheitswesen

Wie schon an anderer Stelle auf dieser Webseite diskutiert, sind die zwei größten Probleme der Blockchain in Industrie-Anwendungen (so auch im Gesundheitswesen) Skalierbarkeit und Vertraulichkeit. Beide Herausforderungen sind deutlich leichter zu handhaben, wenn man darauf verzichtet, seine Blockchain öffentlich und ohne Zugangsbeschränkung, also public und permissionless, zu führen. Zur Erinnerung: Bitcoin und viele andere Kryptowährungen beruhen auf Public-Blockchains – und verschwenden daher viel Energie auf Konsens-Mechanismen (beispielsweise ansonsten sinnlose mathematische Rätsel), die zwar ihren Zweck erfüllen, aber keinen anderen Nutzen haben – und nebenbei eine abschreckende Energiebilanz.

Eine öffentliche und nicht zugangsbeschränkte Blockchain zu einem Zweck einzusetzen, der nicht unbedingt danach verlangt, ist also Overkill. Wie sieht es im Gesundheitswesen aus? Ist dort eine öffentliche Blockchain notwendig?

Das hängt davon ab, wie man sich die Akteure im Gesundheitswesen vorstellt. Eine halbwegs realistische Einschätzung ist wohl, dass die Interessen oft widerstrebend sind und miteinander in Konflikt geraten, aber keine „Dog eat dog“-Welt vorherrscht wie im Bereich der Kryptowährungen, in dem Diebstahl und Betrug an der Tagesordnung sind. Man könnte auch sagen, zwischen den Akteuren des Gesundheitswesens herrscht ein gewisses, wenn auch kein bedingungsloses, Vertrauen.

Solch ein Zustand ist eine gute Ausgangsbasis für den Einsatz einer zugangsbeschränkten (permissioned) Blockchain. Frameworks für genau so eine stellt das Hyperledger-Konsortium zur Verfügung, dessen Ziel es ist, die Blockchain-Technologie für zahlreiche Industrien produktiv nutzbar zu machen. Federführend sind in dieser Zusammenarbeit IBM und The Linux Foundation; zahlreiche namhafte Unternehmen von accenture bis SAP und von der Deutschen Bank bis Intel sind als Partner von Hyperledger mit an Bord.

An einer Blockchain, die mit einem der Hyperledger-Frameworks läuft, können nur Entitäten teilnehmen, die eine Berechtigung dazu haben – im Gegensatz beispielsweise zu Bitcoin, an dem jeder (auch mit vielen einzelnen Servern) teilnehmen kann. So könnte man sich etwa vorstellen, dass eine zentrale Instanz in einem Land den Einrichtungen des Gesundheitswesens (Praxen, Apotheken, Kliniken) die Berechtigung erteilt, an der Gesundheitsblockchain teilzunehmen, aber nicht in die Funktionsweise dieser Blockchain selbst eingreift. Innerhalb der Blockchain findet eine Selbstverwaltung statt, und ein Konsens-Mechanismus, der schlanker und energieeffizienter als beispielsweise der von Bitcoin ist, sorgt dafür, dass niemand gegen die Interessen eines anderen Teilnehmers verstoßen kann.

Diese und andere Szenarien werden in der sehr aktiven Hyperledger Healthcare Working Group entworfen und diskutiert. Die Teilnahme zumindest an der Mailingliste ist frei – ganz permissionless also.

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