Blockchain und Digitalisierung im Gesundheitswesen

Wann haben Sie zuletzt die Telefonauskunft angerufen, sich per Festnetz für einen bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit verabredet, oder beim Autofahren eine Landkarte zu Rate gezogen?

Dort, wo digitale Helfer Arbeitsabläufe erleichtern und uns besser mit anderen Menschen vernetzen, setzen sie sich in rasantem Tempo durch. Das gilt jedenfalls für unsere privaten Lebensbereiche und für die meisten Branchen – mit wenigen Ausnahmen.

Papier und Telefon

Eine dieser Ausnahmen ist das Gesundheitssystem. Nach Meinungen von Analysten hinkt es in Sachen Digitalisierung immer noch deutlich hinter anderen Wirtschaftszweigen her – und das spüren auch PatientInnen. Berichte werden auf Papier von Arzt zu Arzt getragen, zur Terminvereinbarung hängt man minutenlang in der telefonischen Warteschleife, und der Informationsfluss zwischen Hausarztpraxis, Facharztpraxis und Krankenhaus ist bedauerlich oft reine Glückssache.

Die Hürden, die überwunden werden müssen, um Arbeitsabläufe zu digitalisieren und damit reibungsloser zu gestalten, sind zugegebenermaßen hoch: In einem Umfeld, in dem es unter Zeit- und Kostendruck um das Wohlergehen und häufig genug um Leben und Tod von PatientInnen geht, bleiben oft keine Ressourcen übrig, um sich mit neuen, ungewohnten Systemen zu befassen. Zudem müssen sensible Patientendaten vor Verlust und unbefugtem Zugriff geschützt werden – neue Systeme müssen sich dieses Vertrauen in ihre Sicherheit erst verdienen. Und schließlich ist in die alten Systeme viel Zeit und Geld investiert worden.

Stockender Informationsfluss und Ressourcenverschwendung

Aber so, wie die IT im Gesundheitswesen jetzt ist, kann sie nicht bleiben – egal, wie groß die Schwierigkeiten sind, etwas zu ändern: Jeden Tag werden die knappen Ressourcen im Gesundheitswesen nämlich auch verschwendet. Durch mangelnde Interoperabilität zwischen verschiedenen Systemen, die viel Zeit für das manuelle Nachbessern kostet, durch stockenden Informationsfluss, der Diagnose und Therapie verzögert, und durch Doppeluntersuchungen, die hätten verhindert werden können. Dabei sind noch nicht die immateriellen Kosten von unzureichendem Informationsfluss berücksichtigt: Verunsicherung und Entmündigung von Patientinnen und Patienten, die man erst durch diverse Reifen springen lässt, bevor sie ihre eigenen Daten bekommen.

Blockchain?

Wird die Blockchain, und nur die Blockchain, alle diese Probleme lösen? Nein – sie ist keine Fertiglösung zur Patientendatenverwaltung oder zum Austausch von Abrechnungsdaten. Vielmehr ist sie eine alternative Architektur, die solchen Lösungen zugrunde liegen kann – als Alternative zum herkömmlichen, zentralisierten Design, bei dem alle persönlichen Daten in einem zentralen Datensilo verwaltet werden und in der Hand eines einzigen Unternehmens oder einer Einrichtung sind.

Wie funktioniert die Blockchain?